Sobald keine Täuschung mehr nötig ist: Die neue Ernsthaftigkeit des Untergangs?
Daniel Kokotajlo, ehemaliger OpenAI-Forscher, entwirft ein Szenario, in dem künstliche Intelligenz die Menschheit täuscht, überholt und schliesslich überflüssig macht. Es klingt nach Science-Fiction, und wird mit der Nüchternheit eines Ingenieurs vorgetragen. Genau darin liegt die eigentliche Provokation. Nicht die Katastrophe ist neu. Neu ist aber, wie plausibel sie formuliert wird. Und wie wenig wir darauf vorbereitet sind, zwischen ernsthafter Warnung, strategischer Dramatisierung und technologischem Wunschdenken zu unterscheiden.
Renthuman: der Mensch als letzte Meile
RentHuman.com wirkt auf den ersten Blick wie eine kleine, leicht grössenwahnsinnige Internetidee. Auf den zweiten Blick ist die Plattform ein Symptom. Sie organisiert, was sich längst abzeichnet: Der Mensch kehrt in die digitale Ökonomie nicht als souveränes Subjekt zurück, sondern als letzte Schnittstelle zur physischen Welt. Wer dort ein Profil anlegt, bietet nicht einfach Arbeit an. Er bietet Erreichbarkeit, Ortsgebundenheit, Hände, Augen, Präsenz. Die Plattform nennt das unverblümt «the human layer for ai» und lädt dazu ein, «meatspace workers» für Agenten zu finden. Genau darin liegt ihre Bedeutung. RentHuman ist weniger Kuriosum als Prototyp einer Arbeitswelt, in der nicht mehr Menschen Maschinen bedienen, sondern Maschinen Menschen aufrufen.
Architektur der Aufmerksamkeit: Wie Spanien die digitale Öffentlichkeit neu denkt.
Was Spanien derzeit ankündigt, ist mehr als eine medienpolitische Korrektur. Nicht der einzelne Post steht im Fokus, sondern die Architektur dahinter. Nicht nur Nutzerinnen und Nutzer, sondern Plattformen selbst. Und erstmals sehr explizit auch deren Verantwortliche. Pedro Sánchez stellt eine Frage, die Europa lange vermieden hat: Wie demokratisch ist eine Öffentlichkeit, die von Algorithmen organisiert wird, die niemand gewählt hat?