Ikarus hatte recht.
Seit Jahrhunderten wird die Geschichte von Ikarus als Warnung erzählt. Flieg’ nicht zu hoch. Überschätz’ dich nicht. Bleib’ auf dem Boden.
The old Lie.
Heute vor 81 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Einer der präzisesten Texte über die industrielle Zerstörung des Menschen stammt nicht aus einem Geschichtsbuch.
Sobald keine Täuschung mehr nötig ist: Die neue Ernsthaftigkeit des Untergangs?
Daniel Kokotajlo, ehemaliger OpenAI-Forscher, entwirft ein Szenario, in dem künstliche Intelligenz die Menschheit täuscht, überholt und schliesslich überflüssig macht. Es klingt nach Science-Fiction, und wird mit der Nüchternheit eines Ingenieurs vorgetragen. Genau darin liegt die eigentliche Provokation. Nicht die Katastrophe ist neu. Neu ist aber, wie plausibel sie formuliert wird. Und wie wenig wir darauf vorbereitet sind, zwischen ernsthafter Warnung, strategischer Dramatisierung und technologischem Wunschdenken zu unterscheiden.
Renthuman: der Mensch als letzte Meile
RentHuman.com wirkt auf den ersten Blick wie eine kleine, leicht grössenwahnsinnige Internetidee. Auf den zweiten Blick ist die Plattform ein Symptom. Sie organisiert, was sich längst abzeichnet: Der Mensch kehrt in die digitale Ökonomie nicht als souveränes Subjekt zurück, sondern als letzte Schnittstelle zur physischen Welt. Wer dort ein Profil anlegt, bietet nicht einfach Arbeit an. Er bietet Erreichbarkeit, Ortsgebundenheit, Hände, Augen, Präsenz. Die Plattform nennt das unverblümt «the human layer for ai» und lädt dazu ein, «meatspace workers» für Agenten zu finden. Genau darin liegt ihre Bedeutung. RentHuman ist weniger Kuriosum als Prototyp einer Arbeitswelt, in der nicht mehr Menschen Maschinen bedienen, sondern Maschinen Menschen aufrufen.
Architektur der Aufmerksamkeit: Wie Spanien die digitale Öffentlichkeit neu denkt.
Was Spanien derzeit ankündigt, ist mehr als eine medienpolitische Korrektur. Nicht der einzelne Post steht im Fokus, sondern die Architektur dahinter. Nicht nur Nutzerinnen und Nutzer, sondern Plattformen selbst. Und erstmals sehr explizit auch deren Verantwortliche. Pedro Sánchez stellt eine Frage, die Europa lange vermieden hat: Wie demokratisch ist eine Öffentlichkeit, die von Algorithmen organisiert wird, die niemand gewählt hat?
Daten teilen heisst Wasser teilen.
Die Cloud ist nicht schwerelos. Sie rauscht. Durch Flüsse, Turbinen und Kühlkreisläufe.
Wenn Häuser zu Tokens werden. Und was das mit Mürren zu tun hat.
Warum Tokenisierung unser Verständnis von Besitz verändert und warum ein Ort wie Mürren zum Modell werden könnte.
Cancel Culture kennt keine Richtung: Links, rechts und das gleiche Spiel
Cancel Culture galt lange als linkes Phänomen. Doch mit Donald Trump und der konservativen Wende zeigt sich: Rechts wird nicht weniger gecancelt, ausgeschlossen, verbannt, nur unter anderen Vorzeichen.
Demokratie hält viel aus: Was wir ihr zumuten dürfen, was wir ihr schulden
Demokratie ist kein zartes Pflänzchen, das beim leisesten Windstoss zerbröselt. Sie erträgt Streit, Irrtümer, Niederlagen und Missbrauch. Aber sie lebt nur, solange wir ihr etwas zurückgeben.
Nicht fliehen, nicht spotten, nicht schweigen, lieben: Warum Amor Mundi heute mehr ist als ein schöner Gedanke
Die Welt zu lieben: klingt pathetisch, ist aber revolutionär. Wer heute von Zärtlichkeit spricht, wirkt schnell mindestens naiv. Und doch: Amor Mundi, die Liebe zur Welt, ist kein romantisches Gefühl, sondern eine gesellschaftspolitische Haltung. Eine Entscheidung gegen Zynismus. Gegen Rückzug. Gegen Gleichgültigkeit. Nicht weniger als ein Kompass. Für alle, die bleiben und gestalten wollen.
Sind wir bereit für den kommenden Verlust an Erwerbsarbeit? Über den Umbau unserer Gesellschaft und die Rückkehr zur gemeinschaftlichen Verantwortung
Nachfolge ist mehr als ein Plan, sie ist ein Prozess. Oft ein schmerzhafter. Wenn Unternehmerinnen und Unternehmer ihr Lebenswerk übergeben, endet nicht nur ein Kapitel im Firmenbuch. Es beginnt eine stille, innere Reise: der Abschied von einer Rolle, einer Identität, einem Ort der Wirksamkeit. Was rational meist durchdacht erscheint, Exit-Strategie, Unternehmensbewertung, Nachfolgeregelung, bleibt emotional oft unbearbeitet. Dabei ist genau das der Schlüssel für eine gelingende Übergabe: das Loslassen. Das Trauern. Das Anerkennen des Endes.
«Sowohl als auch»: das neue «entweder oder»
Die Welt ist nicht schwarz oder weiss – und doch dominiert zu oft die Frage nach klaren Entscheidungen. Dabei zeigt sich: Das Denken in Gegensätzen wird zunehmend durch die Fähigkeit ersetzt, Komplexität zu akzeptieren und Lösungen zu finden, die beides umfassen. Ein Plädoyer für ein «sowohl als auch».
Alles «woke» oder was oder was ist «woke» und welche Alternativen haben wir?
Der Begriff «woke» hat in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit erregt und ist zu einem festen Bestandteil der öffentlichen Debatte geworden. Doch was bedeutet «woke» eigentlich? Woher stammt dieser Begriff, und warum wird er zunehmend als abwertend verwendet und welche Alternativen gibt es? In diesem Artikel untersuche ich den Begriff, seine Herkunft und die Verwendung und biete Auswege aus der Abwertung, die die Verwendung des Begriffs oft mit sich bringt.

