Eine Übergabe ist erst wirksam, wenn andere ihr folgen.

Eine neue Zuständigkeit lässt sich bekannt geben. Ob sie gilt, zeigt sich daran, an wen sich die Menschen danach wenden und wer ihnen antwortet.

Unklare Lage - The Empty Leader: Eine Übergabe ist erst wirksam, wenn andere ihr folgen.

Seit Montag leitet sie den Bereich. Die Info-Mail ist verschickt, das Organigramm angepasst. Am Dienstag steht ein Mitarbeiter mit einer dringenden Frage im Büro ihres Vorgängers.

Nur kurz. Er kennt die Geschichte, weiss, worauf es ankommt. Er hilft gerne.

Als die neue Leiterin davon erfährt, ist die Sache bereits entschieden. Niemand wollte ihre Position schwächen. Der Mitarbeiter brauchte eine Antwort. Der Vorgänger wollte helfen. Und beide haben etwas bestätigt:

Der bisherige Weg funktioniert noch.

Organisationen wechseln ihre Gewohnheiten nicht mit dem Datum einer Ernennung. Wir wenden uns an jene, deren Reaktionen wir kennen. Wir wissen, wie Zustimmung klingt, wann Nachfragen erlaubt sind und welche Abkürzungen geduldet wurden. Mit einer neuen Person wird vieles davon unsicher.

Der vertraute Weg bleibt attraktiv, solange er offen ist.

Deshalb betrifft eine Übergabe mehr als die beiden, die eine Funktion weitergeben und übernehmen. Auch die anderen müssen ihr Verhalten ändern, Fragen anders adressieren, eine ungewohnte Antwort gelten lassen, aushalten, dass jemand zunächst nachlesen muss, was der Vorgänger auswendig wusste.

Ein gemeinsamer Moment kann dabei helfen. Eine Sitzung, in der die bisherige Leiterin eine Frage ausdrücklich an ihren Nachfolger weitergibt. Eine Vorstellung, bei der ausgesprochen wird, welche Entscheidungen nun bei wem liegen. Ein Abschied, der neben dem Dank auch das Ende einer Befugnis erkennbar macht.

Solche Handlungen haben etwas Rituelles.

Alle erleben den Wechsel und können wissen, dass die anderen ihn ebenfalls erlebt haben. Wer sich künftig an «die Neue» wendet, muss nicht erst herausfinden, ob das schon ernst gemeint ist.

Aber eine Feier setzt noch keine Zuständigkeit durch. Wenn am nächsten Morgen wieder über den alten Weg entschieden wird, lernen alle, wie wenig die Ankündigung bedeutet hat. Das verlangt dem Vorgänger etwas ab.

Er weiss vielleicht tatsächlich mehr. Seine Antwort wäre schneller. Er könnte einen Fehler verhindern. Manchmal braucht es seine Erfahrung weiterhin. Entscheidend ist, ob er sie so einbringt, dass die neue Verantwortung bestehen kann oder ob seine Hilfsbereitschaft sie unbemerkt zurückholt.

Am Dienstag hätte er sagen können: «Das weiss ich. Lass uns damit zu ihr gehen.»

Welche Übergabe ist bei Ihnen längst verkündet, während im Alltag noch immer die bisherige Person entscheidet?

 
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Besetzt.

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Wer seine Organisation verachtet, erfährt wenig über sie.